"Extra wandern" auf der Mittleren Alb, den Balinger Bergen und im Donautal
April - Oktober 2011


Berichte: Karin Döffinger (1.- 4. + 6.-7. Etappe)
Giselheid Moser (5. Etappe)

"Extra wandern"

1. Etappe 2. Etappe 3. Etappe 4. Etappe
5. Etappe 6. Etappe 7. Etappe


© Albverein Betzingen 19.10.2011




Extrawanderer starten mit Kaiserwetter am 06.04.2011 in die Saison.

Die Aufttaktwanderung begann diesmal im Kurpark von Bad Urach. Zur Kartause Güterstein (seit 1226) - heute Fohlenstall vom Gestüt St. Johann - zu den Gütersteiner Wasserfällen, durch die Hölle zu den Uracher Wasserfällen. Die Natur bot uns eine Vielfalt von Frühjahrsblüten - Himmelschlüssel, Buschwindröschen, hohler Lerchensporn, um nur einige zu nennen. Nach der wohlverdienten Stärkung zu den Eppenzillfelsen. Dort wartete ein Mitwanderer mit einer Rarität auf und zwar stieß er beim Versetzen eines TP (Trigonometrischer Punkt) auf einen Armreif, welcher laut Archäologischem Institut der Uni Tübingen auf das Jahr 500 v. Chr. (Kelten) datiert worden ist. Dieser Armreif machte nun die Runde und wurde von uns gebührend bestaunt. Die Aussicht vom Eppenzillfelsen wurde auch in vollen Zügen genossen. Weiter ging es auf den Hohen Urach (1025) wo wir noch einen geschichtlichen Abriss erfuhren - er diente zeitweise als Gefängnis, hier sei eine von einigen prominenten Insassen erwähnt: Gräfin von Grävenitz (langjährige Geliebte von Herzog Eberhard Ludwig).

Der Abstieg von der Burg ging allen ziemlich in die Knochen, da es dort doch sehr steil ist. Durch das Seltbachtal ging es zurück zu unseren Autos und dem schon zur Tradition gewordenen Einkehrschwung.



Auf neuen Spuren - Traufgänge - am 11.05.2011

Eine Gruppe von 25 Extra-Wanderern machte sich auf, einen der 3 neu erschlossenen Traufgänge bei Ebingen - den Schlossfelsenpfad (14,2 km) unter die Wanderstiefel zu nehmen. Diese Traufgänge sind seit 2011 zertifizierte Premiumswanderwege und noch nicht beim Albverein dokumentiert. Start war beim Wanderheim Ebingen, am Wildschweingehege vorbei, über eine wunderschöne Hochfläche zum Stählerne Männle. Nach kurzer Rast weiter über die Fohlenweide zum Weißen Fels - Mühlefels - Galgenfels. Dies war nun ein richtiger Traufgang und wir hatten von allen Felsen einen wunderbaren Ausblick auf das Schmeietal und seiner seit 1975 aus 8 Stadtteilen zusammen geschlossenen Stadt Albstadt. Der Abschluss bildete der Schlossfelsen mit seinem Aussichtsturm. Von hier bot sich ein Ausblick von 360° und wenn die Sicht klarer gewesen wäre, hätten wir mit Leichtigkeit die Alpen sehen können.


Dieser Traufgang führte uns durch lichtdurchflutete Wälder, charakteristische Wacholderheiden und an atemberaubende Ausblicke. Unser Extra-Wanderführer Werner Schmidt machte uns während der Wanderung wieder mit allen geschichtlichen Daten und Ereignissen vertraut und gab einen Abriss über die Industriealisierung. Der bekannteste Sohn dieser Stadt ist der ehemalige Minister- und Bundespräsident Kurt Georg Kiesinger. Beim obligatorischen Einkehrschwung wurde die Wanderung wegen seiner ausgezeichneten Beschilderung noch einmal gelobt.




Extrawandern am 08.06.2011

Der Ausgangspunkt war diesmal Streichen bei Balingen. Auf dem Weg zum Hundsrücken konnten viele seltene Pflanzen bestaunt werden - hervorzuheben ist das Knabenkraut (Orchideenart) und der gelbe Enzian. Da wir auf den weichen und überdachten Waldwegen wanderten, merkten wir vom Regen recht wenig. Weiter gings durch das Naturschutzgebiet Irrenberg (wunderschöne Hochfläche), krummes Ränkle zur Roschbachhütte. Nach der mittäglichen Stärkung wurde der Pfeffinger Böllat erklommen und oben wurden wir mit ziemlichen Wind und Nebelschwaden empfangen, was einen recht unwirklichen Anschein erweckte. Es fehlte jetzt nur noch Rübezahl. Beim Abstieg über einen sehr schmalen Pfad am Trauf entlang ließ uns manchmal einen Blick von dem steilen Abgrund erhaschen, an dem wir uns entlang bewegten. Dann statteten wir dem Zillhausener Wasserfall noch einen Besuch ab, aber leider war kein Wasser zu sehen. Von dort strebten wir über das NSG Roschbach wieder Streichen zu. Wieder durften wir eine wunderschöne Wanderung erleben mit all seiner Vielfaltigkeit an Pflanzen und auch an geschichtlichen Erläuterungen. Der obligatorische Einkehrschwung belohnte dann für die Anstrengungen und den Regen.




Im idyllischen Schmeiental am 13.07.2011

Nachdem der Regen aufgehört hat, nahmen 12 unerschrockene Extra-Wanderer doch die vorgesehene Route unter ihre Wanderstiefel. Nach ca. 1 ½ Stunden Anfahrt zum Ausgangspunkt Sigmaringen-Nickhof wurde die erste Hürde, die Ruine "Gebrochen Gutenstein" erklommen. Das Ausmaß der Ruine ist so klein, dass es heute nicht einmal als 1-Zimmer-Apartment genutzt werden würde. Dann ging es wieder bergab in das idyllische Schmeiental, über Unterschmeien mit der barocken St. Anna-Kirche (leider geschlossen) nach Oberschmeien.

Nach der Mittagspause führte die Route wieder zurück zur Donau. Der Rabenfelsen 60 m hoch, ein freistehendes Schwammriff, bot einen wunderbaren Ausblick auf das Donautal. Der Wettergott hatte nun kein Einsehen mehr und der Regen machte den Abstieg doch etwas diffiziler. Über Gutenstein führte der Rückweg nun entlang der Donau zum Nickhof.




Durch Schluchten und über sonnige Höhen im Nordschwarzwald am 10.08.2011

Die Augustwanderung der Extra-Wanderer war für die 25 Teilnehmer ein ganz besonderer Höhepunkt. Mit Privat - PKW's war man zum Ausgangspunkt am Fuß der Monbachschlucht gefahren. Die erste Strecke führte der Nagold entlang, querte den Kurpark von Bad Liebenzell und ging danach bergan durch den Oberen Badwald. Kurz vor Hirsau erreichte man die Wolfsschlucht. Hier wurde es recht alpin und es war absolute Trittsicherheit gefragt. Durch die Nässe der letzten Tag waren die Felsen und der Lehmboden rutschig. Doch mit gegenseitiger Hilfe wurden auch kritische Stellen bewältigt. Diese Schlucht ist zwar kürzer und weniger bekannt als die Monbachschlucht, aber sie ist wild und sehr beeindruckend. Oben angelangt ging es vorbei an Ottenbronn, mit Blick auf Neuhengstett, zum Waldenserstein. Der Volkstamm der Waldenser lebte im 13. Jahrhundert in der Gegend von Lyon. Von dort wurden sie, ihres Glaubens wegen, 1668 vertrieben. Herzog Eberhard Ludwig nahm sie ab 1669 in Württ. auf, und so siedelten sie sich in dieser Gegend an. Der Ort Neuhengstett (früher Le Bourcet) wurde von ihnen gegründet.

Nach dieser kleinen Geschichtseinlage ging es weiter zum Hörnle über Simmozheim. Hier hatte man eine herrliche Aussicht, die bis zur Albkette reichte. Danach wanderte man durch Möttlingen und über eine Hochfläche mit wunderschönen Blumenwiesen Richtung Monakam und zur Monbachbrücke. Jetzt begann die 4,2 km lange Monbachschlucht. Mit Getöse hat sich der Bach seinen Weg durch den Buntsandstein gegraben. Auch hier wanderte die Gruppe durch Felsen und über umgestürzte Bäume abwärts. Man kam sich vor wie im Urwald, mit all den Moosen und Farnen. Unten angelangt hatten sich alle, nach rund 20 km, einen Kaffee redlich verdient. Auf der Rückfahrt gab es die obligatorische Einkehr und es ging ein besonders herzlich Dank an den Wanderführer Werner Schmidt für diese außergewöhnlich interessante Wanderung, die den Teilnehmern einiges abverlangte, doch bestens bewältigt wurde.




Wallfahrtskapelle Maria Mutter Europas (14.09.2011)

Für die Extrawanderer vom Albverein Betzingen hatte sich der Wanderführer Werner Schmidt eine wunderschöne Route ausgesucht und zwar startete man von Bärenthal aus (liegt in der Nähe von Kloster Beuron) zunächst zur Schlösslemühle Ensisheim. Dort wurden Ihnen unerwartet vom Besitzer die geschichtlichen Daten erläutert, auch dass der Fürst von Sigmaringen hier noch einen Tuffsteinbruch besitzt, aus dem in früheren Zeiten die Steine für das Sigmaringer Schloss gebrochen worden sind.

Nach einem sehr rustikalen Aufstieg gelangte man vorbei am ehem. Karlswahl zum wunderschönen Naturschutzgebiet Dietert und weiter zum Schnaitkapf. Hier wurde die wohlverdiente Mittagspause auf dem idyllisch gelegenen Rastplatz gemacht. Frisch gestärkt strebte man nun über das Irndorfer Naturschutzgebiet der Wallfahrtskapelle Maria Mutter Europas entgegen. Da in der kleinen Kapelle gerade eine Andacht abgehalten wurde, bat ein etwas abseits stehender Klosterbruder die Gruppe zu sich her. Es stellte sich heraus, dass es Pater Notker - der Initiator des Kapellenbaues - war. Er erläuterte die Entstehungsgeschichte der Kapelle. Nach verschiedenen Anläufen und nach Schenkung des Baugrundes durch den Gnadenweiler Bürger Gottfried Bisely konnte am 3.11.2006 die Grundsteinlegung und am 9.6.2007 die Weihe durch den Augsburger Bischof Dammertz vorgenommen werden. Die Kapelle steht auf einem ehemaligen keltischen Heiligtum. Auch kann neben dem Kirchlein noch ein Kreis von ungefähr von 5 m Durchmesser erkannt werden, wo der Grasring dunkler ist als das übrige Gras. Nach Besichtigung der Kapelle und einem herzlichen Abschied durch Pater Notker ging es durch das Felsentor zurück nach Bärenthal. Die Gemeinde Bärenthal trifft sich seit 1992 alle drei Jahre mit noch 5 anderen Gemeinden, die ebenfalls Bärenthal (es gibt hier verschiedene Schreibweisen) heißen und die Initiative hat sich das Freundschaftsversprechen gegeben:

Wir Kommunen und Ortschaften mit dem Namen Bärent(h)al aus ganz Europa und Deutschland vereinbaren eine neue Völkerverbindung als einen Mosaikstein für das Europa der Menschen.

Mit diesen vielen Eindrücken wurde die Heimfahrt angetreten und der übliche Einkehrschwung durfte natürlich auch nicht fehlen. Werner Schmidt an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.




Naturschutzgebiet Oberes Lenninger Tal (12.10.2011)

Als die Extrawanderer vom Albverein Betzingen sich zur letzten Wanderung in diesem Jahr aufmachten, war das schöne spätherbstliche Wetter leider vorbei. Bei kühlen und windigen Temperaturen starteten sie von Schlattstall aus (Lenninger Tal) in Richtung Goldloch aus dem die schwarze Lauter sprudelt. Das Naturschutzgebiet Oberes Lenninger Tal mit seinen 4 Seitentälern umfasst eine Fläche von 600 ha und ist eines der größten im Regierungsbezirk Stuttgart.

Weiter im wunderschönen Erdtal über die Große Schrecke nach Strohweiler. Nach der mittäglichen Stärkung strebten sie über die Älbe dem Römerstein zu.

Die 125 Stufen des Aussichtsturms wurden erklommen und mit einer wunderbaren Aussicht belohnt. Der Römerstein mit seinen 874 m NN ist die höchste Erhebung der mittleren Schwäbischen Alb. Die Ruine Sperberseck war das nächste Ziel. Sie wurde 1090 gegründet und die Burgherren standen in teckischen, zähringerischen und württembergischen Diensten. Die Burg wurde im Bauernkrieg zerstört, das Geschlecht starb 1718 aus. Ein Blick durch das Gitter in die Mondmilchhöhle und dann ging es auf halsbrecherischem Weg steil bergab ins Donntal und zurück nach Schlattstall. Nach guten 16 km hatten sie sich den beliebten Einkehrschwung redlich verdient und es ging ein herzlicher Dank an den Wanderführer Werner Schmidt für die interessante Wanderung.