"Extra wandern" am Neckar und auf der Alb
April - Oktober 2007


Berichte: Rolf Marstaller (1. + 2. + 4. + 7. Etappe)

"Extra wandern"

1. Etappe 2. Etappe 3. Etappe 4. Etappe
5. Etappe 6. Etappe 7. Etappe


© Albverein Betzingen 16.10.2007




Zum Auftakt des diesjährigen Extra-Wanderns hatte Wanderführer Werner Schmidt nach Nürtingen-Reudern zu einer 16 km Rundwanderung eingeladen.

Wen wundert es, dass 28 Wanderer der Einladung gefolgt sind, weiß man doch aus Erfahrung um das "Extra" der ausgewählten Wanderroute.

Schon bei der Abfahrt am Julius-Kemmler-Platz in Betzingen konnte der Regenschirm getrost im Auto gelassen werden, denn die Wettervorhersage hatte viel Sonne mit frühlingshaften Temperaturen angekündigt. Nach Erreichen der Parkplätze in Reudern folgte man zunächst dem gut ausgeschilderten Radweg in nördlicher Richtung bis zu den Bürgerseen, ein Naherholungsgebiet mit Bade- und Fischgewässern. Unterhalb der Hahnweide, ein viel bekanntes Segelfluggelände, führte der Weg dann weiter bis zu einer markanten Eiche, die am Kegelsbach steht und einen stattlichen Umfang von 6 m hat. Den Rand des Segelfluggeländes verlassend ging es nun nach einer kurzen Pause in südwestlicher Richtung leicht bergan auf den Rücken des Mannsberges. Der Hochwald, den man beim Anstieg durchwandert hatte, öffnete sich hier und erlaubt einen Blick über saftige Wiesen und blühende Bäume hinab in das Kegelsbachtal und auf die 5600 Einwohner zählende Ortschaft Dettingen unter Teck. Die erreichte Anhöhe und auch die im Mittag stehende Sonne luden hier zur gemütlichen Rast ein. Vom Wanderführer war über Dettingen unter Teck zu erfahren, dass an der bewegten Geschichte des Ortes immer wieder Weingärtner maßgeblich beteiligt und dass im Jahr 1950 von den 3100 Einwohnern rund 600 Vertriebene aufgenommen wurden.

Gestärkt, den Rastplatz verlassend und auf der Anhöhe bleibend kam bald das schon seit früher Zeit bewohnte "Käppele" in Sicht. Menschen haben hier ihre Spuren in Form von Feuersteinen und Schlackehalden aus der Steinzeit hinterlassen. Die überwältigende Aussicht, die von den "Kaiserbergen" über Boßler, Breitenstein und Teck bis zum Neuffen reicht, wurde auch von den Kelten geschätzt, wie Funde aus dieser Zeit noch belegen. Auch heute ist die Burg Teck von dieser Stelle aus noch ein besonderer Blickfang, war es doch lange Zeit die Stammburg der Württemberger. Der anschließende Abstieg durch den "Eisenwinkel" zeigte noch die erschreckenden Hinterlassenschaften von dem hier 1999 wütenden Sturm "Lothar". Die damals gefällte "Bismarcklinde", ein Naturdenkmal von 1874, liegt nach 7 Jahren noch so, wie sie nach dem Sturm angetroffen wurde. Eine "Jubiläumslinde" wurde zur 750 Jahrfeier von Dettingen unter Teck an ihrem Standort neu gepflanzt.

Entlang des Tiefenbachs marschierte nun die Wandergruppe weiter zum Lehrhof Tiefenbach, in dem Hundeführer ausgebildet werden. Nach Überqueren der Kreisstraße K 1243, dem mit der blauen Raute gekennzeichneten Albvereinswanderweg folgend, war es nun nicht mehr weit bis zum Parkplatz, an dem die Autos seit dem Vormittag abgestellt waren. Bei einer Abschließenden Einkehr wurde Wanderführer Werner Schmid für die gelungene Wanderung gedankt. Rückblickend auf die erste Extra- Wanderung im Jahr 2006, bei der um diese Zeit in 30cm Schnee gespurt werden musste, verwöhnte diesmal der Frühling mit Blütenpracht und herrlichem Wetter.

Die nächste Extra-Wanderung am Mittwoch, 09.Mai führt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Esslingen/Neckar. Seitenanfang



"Wir wandern heut ins Schwabenland..."

wie in diesem schwäbischen Volkslied besungen, sind 19 Extra-Wanderer von Betzingen mit dem Zug in den Schurwald gefahren um das schöne Schwabenland "Im Remstal und am Neckarstrand" zu erwandern. Gut gegen den schon angekündigten Regen geschützt herrschte heitere Stimmung unter den Schirmen und Kapuzen. Die Stadt Esslingen am Neckar war der Ausgangs- und Endpunkt von der 18 km langen Rundwanderung. Die alte Stauferstadt und später freie Reichstadt wurde an der wichtigen Neckarfurt gebaut um Zugang zu dem neckarschwäbischen Raum zu erhalten. So ist es kein Zufall, dass Esslingen, mit seiner Pliensaubrücke, nach Regensburg die zweitälteste Steinbrücke nördlich der Alpen hat. Um die 1228 zur Stadt erhobene Ortschaft vor den württembergischen Grafen zu schützen, wurde sie mit einer Stadtmauer, die 50 Mauertürme und 26 Stadttore hatte, umbaut. Drei Tortürme und der nördliche Teil der Stadtbefestigung, die Burg, sind noch vorhanden.

Der überdachte Stufenaufgang zur Burg, die nie Herrensitz war, ist zwar anstrengend doch die Aussicht auf Weinberge und Stadt entlohnt für alles. Hinter dem Stadtteil Wäldenbronn verlies die Wandergruppe Esslingen und marschierte entlang des Lindenhaldenbach bis zum Siebenbrunnen unterhalb vom Katzenkopf. Eine ungeklärte Beobachtung machten die Wanderer unterwegs, manche Bäume schäumten am Stamm. Noch mal ein steiler Anstieg und bald hatte man den 513 m hohen Kernen mit seinem Aussichtsturm erstiegen. Der anhaltende Regen ermöglichte keinerlei Aussicht und das Geheimnis des schönen Schwabenlandes war leider im Nebel versteckt. Wetterbedingt änderte nun Wanderführer Werner Schmidt die Route, nicht wie geplant über den Rotenberg, sondern der direkte Weg zur Katharinen Linde wurde gewählt.

Willkommen war jedem die reservierte Einkehr an der Neckarhalde über den Weinbergen. Vor dem Abstieg nach Esslingen bedankte sich Mitwanderer Ludwig Beck beim Wanderführer für die Wanderung, die gezeigt hat, dass bei Regen eine Wanderung nicht ins Wasser fallen muss. Entgegen aller Erwartung hatte es nun doch aufgehört zu regnen und die Sicht auf das Neckartal bis hin zur Alb wurde noch ein schönes Erlebnis beim hinuntergehen. Der Marktplatz und das schmucke alte Rathaus mit seiner astronomischen Uhr, werden den Wanderern noch lange in Erinnerung bleiben. Seitenanfang



Seitenanfang



Zwischen Mühringen und Eyach

So einfach, wie in der Überschrift dargestellt, haben es sich die 16 Extrawanderer natürlich nicht gemacht, denn wegen 4 Km ist hier keiner zu bewegen.

In Fahrgemeinschaften steuerte man zuerst den Parkplatz in Eyach an, um dort ein Fahrzeug zu hinterstellen. Die restlichen Autos wurden nach einer kurzen Weiterfahrt in Mühringen geparkt. Schon der erste Anstieg bis zum Schloss ermöglichte einen schönen Blick auf die Ortschaft, die im Eyachtal eingebettet liegt. Jeder weiß, dass hier und in der Umgebung Mineralwasser eine große Rolle spielt, doch das Schloss von Mühringen ist den wenigsten bekannt und eine Besichtigung ist nicht möglich. Ja, sogar kleine Abweichungen vom vorbeiführenden Wanderweg, werden mit einem Verweis durch die Schlossherrschaft geahndet.

Auf der Höhe angekommen, konnte man schon den Verkehr der nahen A 81 vernehmen, welche dann zwischen der Ortschaft Dommelsberg und dem Forst Neckarhausen überquert wurde. Auf der Brücke reicht die Aussicht von den Albbergen der Balinger Alb, bis hinein in den tiefen Schwarzwald. Bald hatte die Gruppe im Forst das Naturdenkmal "Bodenloser See" erreicht, ein natürlicher See, der sich in einer Bodensenke gebildet hat und seltene Pflanzen und Tiere anlockt. Bei einer kleinen Rast konnte nur geklärt werden, dass dieser See nicht bodenlos ist, die Tafel mit der Angabe "522 m" bezieht sich nur auf die Höhe, in welcher sich der See befindet. Vor dem Abstieg in das Isenburger Tal hatten die Wanderer noch eine Wegstrecke zu bewältigen, die durch erst kürzlich umgestürzte Bäume führte. Eine Umgehung war nicht möglich und so wurde die ganze Aufmerksamkeit sowie die gegenseitige Hilfe benötigt, damit dieser kurze Abschnitt am Vogelberg unfallfrei bezwungen werden konnte. Kurze Zeit später machte man die verdiente Mittagsrast, das Mitgebrachte ließ die Mühe schnell vergessen.

Tal abwärts wurde danach bald der Neckar erreicht und wenige Meter weiter konnte man schon die Stadt Horb, die etwa 26.000 Einwohner zählt und 17 Teilorte hat, sehen.

Der Ort, erstmals im Jahr 1100 erwähnt war Sitz einer Seitenlinie der Tübinger Pfalzgrafen. 1228 wurde das Marktrecht verliehen und kurze Zeit später wurde Horb zur Stadt erhoben. Teile der Stadtbefestigung und teile der ehemals zwei Burgen sind noch vorhanden. Durch zwei Stadtbrände in den Jahren 1556 und 1725 wurde fast die ganze Stadt zerstört. Durch den Bau der Ortsumgehung und den Abbau beim Bahnknotenpunkt hat Horb etwas an Wichtigkeit verloren.

Eisenbahnstrecke und Neckar begleiteten nun die Wandergruppe. Auf dem Neckartalradweg, der an diesem Tag nicht stark befahren wurde, marschierte die Gruppe an der Ortschaft Mühlen vorbei, bis nach Eyach. Ein besonderer Blickpunkt war der Viadukt der A 81, unter welchem diesmal der Weg ging. Die von Wanderführer Werner Schmidt ausgesuchte Route endete hier mit der Heimfahrt. Seitenanfang



Seitenanfang



Seitenanfang



Heimatkundliche Wanderung um Eningen

Zum Abschluss des "Extra-Wandern" 2007 hatte sich Wanderführer Werner Schmidt ein besonderes "Schmankerl" ausgedacht. Heimatkunde um Eningen.

Mancher Teilnehmer an der Wanderung, es waren 23, wird sich gedacht haben, was gibt es denn auf einer Wegstrecke von 18 Kilometern viel über Eningen zu berichten, ist es doch heute, mit seinen 10 000 Einwohnern, eine ganz gewöhnliche Gemeinde - sollte man annehmen. Doch Werner Schmidt belehrte und eines Anderen!

Vor Beginn der Wanderung wurden die Fahrzeuge von Fahrgemeinschaften am Eninger Bruckberg abgestellt. Nur leicht ansteigend ging es zuerst unterhalb des Geißberg durch den bunten Herbstwald. Vom Flurnamen "Bürzen" wusste Werner Schmidt, der selbst in Eningen geboren ist, zu berichten, dass dort bis in das letzte Jahrhundert Gänse geweidet wurden. Oberhalb der Ansiedlung weiter wandernd betraten die Wanderer bald den Schluchtweg, der zum Freibad führt. Vor dem Eintritt in die "Teufelsküche" wurde jedoch nach links abgeschwenkt und hinter dem Bad auf schmalem Fußweg ein Naturschutzgebiet, welches früher den Eningern als Ziegenweide diente, durchschritten. Von der alten Steige, an der kurz verweilt wurde, war die Sicht in das Tal und über den Albrand grandios. Die Felsen der Achalm leuchteten in der Sonne. Beim Blick über Eningen erzählte Werner Schmidt von der wichtigen Bedeutung, die der Ort in der Zeit des Landhandels innehatte. Es waren Immerhin ca. 66 % der Bevölkerung am Handel mit Waren beteiligt. In der Chronik wird berichtet vom Eninger Kongress, der eigentlich eine Messe war, dass er zwei Mal im Jahr abgehalten wurde um die Lieferanten und Produzenten an einem Ort zusammen zu führen um Zahlungsausgleiche und Geschäfte zu tätigen. Für 3 Märkte im Jahr hatte damals die Gemeinde Marktrecht. Nach gutem Geschäftsabschluss, üppigem Essen und manchem Glas Wein fanden oftmals regelrechte "Porzelanzertrümmerungsorgien" satt.

In Serpentinen ging es anschließend hinauf zum Gutenberg, das "Hännersteigle" wurde überquert. An der Feuerstelle beim hinteren Wildgehege, wurde ausgiebig Mittagsrast gehalten. Gestärkt marschierte man über die Eninger Weide, und nach der Besichtigung von den Brachversuchen in der Landwirtschaft, weiter zum Oberen Lindenhof, eine Forschungs- und Lehreinrichtung der Universität Hohenheim. Auch die europäische Wasserscheide Donau/Rhein wurde überschritten. Auf dem Rücken des Gerstenberg, dann kurz hinab zum versteckten Gerstenbergfels ( nur wenigen bekannt), und entlang des Albtrauf

führte nun der Wanderweg weiter zum Übersberg und Mädlesfels. Am Fels, der mit seinem Plato eine einmalige Aussicht bietet, wurde nochmals die Gelegenheit zur Rast wahrgenommen. Die Gruppe der Extra-Wanderer genoss das schöne Herbstwetter und den Blick von oben auf Feld und Wald. Nach Verlassen des 774 m hohen Mädlesfels kam der langsame Abstieg in das Arbachtal. Der Arbach ist in früherer Zeit die wichtigste Wasserversorgung von Eningen gewesen, deshalb hat die Bevölkerung in trockenen Jahren oftmals unter der Wasserknappheit gelitten. Die Zeiten, in denen Eningen "ein starker Flecken" im Land war, sind mit der Ausnutzung der Wasserkraft und durch die Industrieansiedlung in anderen Orten der Umgebung verloren gegangen.

Wieder angekommen am Ausgangsort, der inzwischen 19 km langen Wanderung, bedankte sich Mitwanderer und 2. Vorstand Ludwig Beck bei Wanderführer Werner Schmidt für die ausgewogene Wanderung und die vielen unbekannten Eindrücke, die unter seiner Führung lebendig wurden. Seitenanfang