Busreise ins Berner Oberland vom 05.-09.07.2006
Bericht: Evi Schaich
Unvergessliche Tage im Berner Oberland
Die Ausfahrt des Schwäbischen Albvereins führte dieses Jahr ins Berner Oberland. Über Tübingen zur A81 nach Rottweil und Schaffhausen ging es zum ersten größeren Halt nach Bern. Davor gab es einen kurzen Stopp an der Raststätte Hegau mit Brezelausgabe. Der Blick zu den Vulkanbergen Hohengähren, Hohenstoffeln und Hohentwiel war der Auftakt zu Größerem. Seit 1848 ist Bern Regierungssitz und Hauptstadt der Schweiz und des zweitgrößten Kantons des Landes. Im Zentrum liegt die mittelalterliche Altstadt mit ihren schönen Laubengängen. Hervorzuheben sind auch die elf berühmten Figurenbrunnen, das spätgotische Münster - über dem Hauptportal die Darstellung des Jüngsten Gerichts - der Zeitglockenturm mit seinem Bärenumzug, die astronomische Uhr und das Bundeshaus. Lebende Bären, Berns Wappentier, findet man im Bärengraben, dort wo sich die Aare halbkreisförmig um die Stadt tief eingegraben hat.
Unser nächstes Ziel war Thun. Mit der Stadtführerin ging es durch die altertümliche Stadt und auf einem überdachten Treppenweg hinauf zum Schloss - meistfotografiertes Motiv von Thun - erbaut von Herzog Berthold V. Von Zähringen, er war auch der Gründer von Bern. Heute beherbergt das Schloss ein Museum. Von der Terrasse der nahegelegenen evangelischen Kirche bietet sich eine herrliche Aussicht auf den See und die umliegenden Alpen.
Schweißgebadet genossen wir diese Aussicht und gerne hätten wir uns wie die jungen Leute, die von der Brücke in die starke Strömung der Aare sprangen, abgekühlt. Durch die großen Gesteins- und Sandmassen, die der Fluss im Laufe der Jahre anschwemmte, entstand in der Aare eine heute bebaute Insel. Am Ausfluss der Aare aus dem See errichteten die Thuner zwei Brückenstellwerke, hiermit kann die Höhe des Sees reguliert werden. In der Nähe unseres Quartiers, direkt am See, liegt Schloss Schadau in einem großen, herrlichen Park mit altem Baumbestand. Schon vor 200 Jahren brachten die Engländer den Tourismus nach Thun.
Von Lauterbrunnen aus, wo die Lütschine das Nass von 72 Wasserfällen sammelt, ging es am 2. Tag mit der Zahnradbahn hinauf zur Kleinen Scheidegg auf 2.061 m, Knotenpunkt auch für die Bahn nach Grindelwald und Ausgangspunkt der Jungfraubahn. Vor uns die drei gewaltigen Berge Eiger 3.970 m, Mönch 4.099 m und Jungfrau 4.158 m. Vor dem Dreigestirn erheben sich Männlichen, Kleine Scheidegg, Tschuggen und Lauberhorn. Die Bergbahn über die Kleine Scheidegg nach Grindelwald ist ein bewundernswertes Beispiel für die Erschließung der Bergwelt durch die Schweizer Verkehrsbetriebe. Acht Seilschaften stürzten ab ehe es im Jahr 1938 einem deutsch-österreichischen Team gelang, die Eigernordwand zu bezwingen. Viel Zeit blieb uns zur Eigeninitiative und so schwärmten wir aus zu Alpenrose - sie stand in voller Blüte - Gelbem Enzian, Trollblume, Arnica usw. Bis zur Abfahrt ins Bergsteigerdorf Grindelwald hingen die Wolken immer tiefer und wir waren froh, die Bergwelt von der Bahn aus zu genießen. Grindelwald gilt als Ausgangspunkt für Gebirgswanderungen und Hochtouren, was sich an den vielen großen Hotels widerspiegelt mit Besuchern aus aller Welt.
Der dritte Tag bescherte uns eine gemütliche Fahrt mit dem Schiff vorbei an bekannten Orten nach Interlaken, das auf Schwemmland zwischen Thuner- und Brienzer See liegt, auf dem so genannten Bödeli. Interlaken gehört zu den ältesten und bekanntesten Fremdenverkehrszentren der Schweiz und ist als Luftkurort sehr geschätzt. Kurz war die Zeit, um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Weiter ging es mit dem Bus zu den Beatushöhlen, einem weit verzweigten Höhlensystem mit ca. 12 Km Länge. Der anstrengende Anstieg lohnte sich. Schon Steinzeitmenschen hausten hier und im 6. Jahrhundert der Heilige Beatus, ein Irischer Mönch, der diese Gegend christianisierte. Sein Grab liegt am Eingang der Höhle. Seit 1902 ist diese Höhle der Öffentlichkeit zugänglich. Bei einem Anstieg von 86 m geht es ca. 1 Km weit in den Berg, ausgewaschen von tobendem Wasser, die Wasserfälle sind sicht- und teilweise nur hörbar. Mit viel Fantasie erkennt man verschiedene Figuren und Gebilde, klein dagegen sind die Tropfsteine und Sinterbecken.
Ganz weltliches Programm bot der 4. Tag bei der Besichtigung einer Töpferei in Heimberg mit Gelegenheit zum Einkauf. Danach Weiterfahrt über Frutigen zum Blausee, der tiefblau in einem 22 ha großen Naturpark liegt. Erreichbar auch über einen romantischen Schluchtenweg. Eine große Bio-Forellenzucht wird dort betrieben, ebenso eine Aufzucht von Bernhardinerhunden. Mit viel Liebe sind die Spielplätze und Grillstellen angelegt, auch Bootsfahrten werden angeboten. Zeit gab es genügend, um die Fischspezialitäten im anliegenden Hotel zu kosten. Vor dem Eingang ließen wir unseren Horst mit einem Geburtstagsständchen hochleben, zum Dank gab es einen kleinen Umtrunk. In steilen Windungen und Kehren ging es weiter nach Kandersteg, einem kleinen gemütlichen Ort, der als Ausgangspunkt für Wanderungen im Sommer und Skilanglauf im Winter bekannt ist. Hier befindet sich auf 1.125 m die Umladestation von der Straße auf die Schiene durch den Lötschbergtunnel mit einer Länge von 14,6 Km. Dadurch hat Kandersteg einen starken Aufschwung erfahren. Der Blick auf die bekannte Blümlisalp war leider durch einen Wolkenvorhang verdeckt.
Unsere Heimfahrt am Sonntag führte uns zunächst am Brienzer See entlang nach Brienz, einem Zentrum der Holzschnitzkunst. Von hier fährt die dampfbetriebene historische Zahnradbahn zum Rothorn. Über den Brünigpass erreichten wir entlang des Vierwaldstädter Sees über Luzern die Stadt Zürich, die größte der Schweiz, gelegen an der Nordspitze des gleichnamigen Sees. Sie ist Sitz einer Universität, einer Technischen Hochschule und mehrerer Fachschulen. Wirtschaftlich ist Zürich das Zentrum der Schweiz und gibt sich sehr weltmännisch. Textilbetriebe, Maschinenfabriken, große Banken und Versicherungen haben hier ihren Sitz. Schmale Gassen, Winkel und Treppen der Altstadt bilden einen starken Kontrast zu den herrschaftlichen Bauten der Banken und Geschäfte. Müde vom vielen Flanieren und Schauen bringt uns der Bus nach Remmingsheim zum gemeinschaftlichen Abschlussessen. Danach ging es zurück nach Betzingen. Danken möchten wir unserer Hilde für ihre vorbildliche Regie, dem Fahrer Rolf für seine umsichtige Fahrweise und nicht zuletzt unserer Brigitte, die bei diesen Temperaturen immer für genügend flüssigen Nachschub sorgte.
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