Stadtbesichtigung in Calw am 02.07.2006
Bericht: Rolf Geiger
Betzinger Albverein besichtigte Calw.
Zur alljährlichen Besichtigung einer württembergischen Stadt führte uns die Eisenbahn von Betzingen durch das Neckartal über Horb ins Nagoldtal nach Calw - just an Hermann Hesses 129. Geburtstag, wo an diesem Tag auch Herzog Carl von Württemberg weilte. Die Betzinger wurden vom Stadtführer, einem im Städtchen hängen gebliebenen pensionierten Bundeswehr Oberstleutnant, begrüßt und in die Stadtgeschichte eingeführt. Die zwischen Sandstein auf der Schwarzwaldseite und Kalkstein(Gäuseite) von der Nagold durchflossen und oft überschwemmte Ansiedlung, 1037 Kalewa, 1075 Chalawa, von kahl, danach Calw genannt (siehe auch Calverbühl bei Dettingen/Erms) hatte eine Geschichte mit Glanzzeiten und schwersten Einschnitten, aber sie erhob sich immer wieder dank fleißiger Einwohner wie Phönix aus der Asche. Um die Mitte des 13. Jh. erhielt Calw Stadtrechte, aber bereits 1260 erlosch des Geschlecht der Grafen von Calw, das Gebiet fiel an die Verwandtschaft, ehe es 1308 erstmals und 1348 endgültig in den Besitz der Grafen von Württemberg kam, das 1495 Herzogtum wurde. Das gar nicht mehr kahle Calw lebte zwar wie vergleichbare Schwarzwaldstädte vom Holzhandel, aber seine Einnahmen kamen auch vom Salzhandel, kurzzeitig auch vom "Calwer Porzellan" ehe diese Manufaktur nach Ludwigsburg abzog und erst dort auch qualitativ blühte. Aber erst die Tuchveredelung, eine Calwer Spezialität mit Export in die ganze damalige Marktwelt, forciert durch die Zeughandelskompanie erbrachte eine wirtschaftliche Spitzenstellung und Wachstum. 1634 hatte Calw 4000 Einwohner, Stuttgart 6000, mitten im 30jährigen Krieg. Nach der Schlacht bei Nördlingen kam der Krieg auch nach Calw und zerstörte es völlig. Doch die Stadt erholte sich nach 1648 rasch zu neuer Blüte, da wurde sie 1692, im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch die Franzosen unter dem berüchtigten General Melac erneut eingeäschert. Die reizvolle Fachwerk Altstadt, liebevoll restauriert, stammt aus der Zeit danach. Nur vier Häuser hatten die erneute Katastrophe überstanden. Das Rathaus wurde auf den Grundmauern wieder errichtet, der lange Marktplatz hat an seiner Bergseite die eher öffentlichen Gebäude, an der talwärtigen eher Privathäuser. Beim Neuaufbau vermied man enge mittelalterliche Gassen wegen der Brandgefahr und Herzog Carl Eugen von Württemberg (reg. 1744 - 1793) ließ deshalb alle Fachwerkhäuser im Land sogar verputzen. Einige prächtige Palais entstanden in seiner Regierungszeit, eines davon beherbergt heute das Hermann Hesse Museum. Diesem hier 1877 geborenen Schriftsteller, Jugendfreund des Reutlingers Ludwig Finckh, ist auf der Brücke bei der Nikolauskapelle ein Denkmal errichtet worden. Er steht dort (ohne einen Sockel) in Lebensgröße, 181 cm, auf sein Calw blickend. Das 1787 - 91 errichtete Pallais Vischer, errichtet vom Chef der "Floß- und Holzhandels Compagnie" Johann Martin Vischer beherbergt heute das sehenswerte Museum der Stadt Calw. Von den in der Stadt wirkenden historischen Persönlichkeiten ist noch ein Name herauszustellen, der in der württembergischen Kirchengeschichte zentrale Bedeutung erlangte: Johann Valentin Andreä, 1620 - 39 Dekan in Calw.
Nach dem Mittagessen konnte jeder nach eigenem Gutdünken die Stadt entdecken. Frohgemut fuhr man nach Betzingen zurück, bedankte sich bei den Organisatoren Erika und Rolf Geiger und stellt fest, Calw war und ist eine Reise wert.
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