Stadtbesichtigung in Schwäbisch Hall am 19.06.2005

Bericht: Rolf Geiger

Albverein Betzingen in Schwäbisch Hall zur Stadtbesichtigung.

Fast zwei Dutzend Wanderfreunde trafen sich am Betzinger Bahnhof, um am "Autofreien Sonntag" die alte frühere Reichsstadt Hall kennenzulernen. Die Eisenbahn brachte über Cannstatt und Hessental die informationshungrige Gesellschaft an den Kocher, vorbei an der Comburg, dem ehemaligen Kloster und nachdem das Haller Gebiet zum Königreich Württemberg kam, jahrzehntelang als Invalidenresidenz, also einem Altersheim für alte Soldaten diente. Alt und neu harmonieren in der Stadt. Vom Bahnhof führt ein Aufzug zur City - unweit vom Museum des Mäzens "Schrauben Würth". Das Gegenstück an höchster Stelle auf der anderen Kocherseite ist der allerdings recht markante , aber 500 Jahre alte "Neubau", ein ehemaliges Waffenmagazin, das von Weitem den Besucher begrüßt, ganz als Steinhaus erbaut. Hall, durch das Salzsieden im Mittelalter reich geworden und von den reichen Familien prächtig ausgebaut, mit einst doppelter Wehrmauer ausgestattet, fiel zwei Jahre nach Reutlingen, 1728 einem großen Stadtbrand zum Opfer. Am Baustil läßt sich die Feuergrenze erkennen, hauptsächlich die untere Stadt war betroffen, samt dem Rathaus. Dieses wurde im prächtigen Barockstil wieder völlig neu errichtet, fiel einer der wenigen Bomben des zweiten Weltkriegs zum Opfer und erlebte sofort nach dem Krieg den raschen Wiederaufbau. Nach früheren kommen heute wieder durch horrende Steuerausfälle neue Notzeiten auf die Stadt zu. Allerdings gelten die von der Münzstätte einst geprägten Heller (Häller), Silberkleinmünzen, nicht mehr. Am Rathaus, wo die württembergischen Hirschhörner wieder durch den Kaiseradler ersetzt wurden, steht noch der betriebsfähige Pranger, an dem die Ehrenstrafen in Reichsstadtzeiten vollzogen wurden. Letztmals nützten ihn die Nazis im Krieg für eine zuvor kahlgeschorene Hällerin, die einen Kriegsgefangenen liebte. Auf der anderen Marktseite steht die Stadtkirche St. Michael, mehrfach umgebaut mit ihrem romanischen Turm auf dem Berg, erreichbar über die pyramydonale Freitreppe, die auch als Theaterbühne dient. Durch das romanische Portal, in dem die Haller Ur - Elle und der Ur – Fuß hängen, betritt man die Kirche, mit beeindruckenden Kunstwerken und Schenkungen reich ausgestattet. Weltberühmt das schwebende Kruzifix, ebenso das "Heilige Grab", der Hochaltar, der "Blick in die Zukunft aller", eine jüngst erschlossene Draufsicht auf die Haller Katakombe, nämlich aufgeschichtete Schädel und Knochen längst verblichener Häller. Der damalige Pfarrer führte die Reformation ein und verhinderte den Bildersturm, es war Johannes Brenz und noch ein Name mit Aha - Effekt, das Gemälde der Wohltäterin der Stadt, die Bonnhöferin - ein bekannter Nachfahre von ihr ist der 1944 von den Nazis ermordete Dietrich Bonnhoefer. Ein Rundgang durch die Stadt schloß sich an, bevor die Gruppe an dem "Heißen Sonntag" zu Speis und Trank im Schatten der "Sonne" kamen. Hier nochmals ein Dankeschön an die Organisatoren Rolf und Erika Geiger.


© Albverein Betzingen 29.06.2005