Busreise vom 13.-17.07.2005
Bericht: Evi Schaich
In das Tessin und an den Lago Maggiore
Ein voll besetzter Bus des Schwäbischen Albvereins startete am13.07.2005 in Richtung Süden. Die Anreise führte über Zwiefalten Ravensburg Bregenz Chur bis Zillis. Hier bot sich die Gelegenheit, die im 12. Jahrhundert erbaute romanische Kirche St. Martin mit der ältesten bemalten Holz-Kassettendecke zu besichtigen. Alle Bilder stellen Motive aus der Heiligen Schrift dar und wurden mit großem Aufwand restauriert. Weiter ging es über Splügen und den San-Bernadino-Pass nach Bellinzona und von dort an den Lago Maggiore. Der Uferstraße entlang fuhren wir bis Verbania zum Hotel „Miralago“, unserem Quartier, direkt am See gelegen. Durch den Zusammenschluss mit Intra und einigen anderen Orten ist Verbania das größte Industrie- und Handelszentrum am Lago Maggiore. Intra wird flankiert von den Gebirgsflüssen San Bernadino und San Giovanni, die hier in den See münden. Im alten Viertel zeigt sich reizvoll historische Bausubstanz und am Samstag gibt es auf allen Plätzen Musik verschiedener Stilrichtungen.
Der zweite Tag galt den Borromäischen Inseln. Mit dem Motorboot ging es zur Isola Bella, einer der drei Inseln, die im Besitz der Familie Borromeo sind. Noch heute verbringt die Familie ihre Ferien im eigenen Schloss. Diese schiffförmige Insel galt schon in der Barockzeit als Weltwunder. Viele Maler und Dichter haben dieses schöne Fleckchen Erde besucht, gemalt und darüber geschrieben. In zehn Terrassen steigt der Garten 32 Meter hoch an und zeigt die volle Pracht der mediterranen Pflanzenwelt. Das Schloss besitzt herrliche Säle, schöne Gemälde und Gobelin-Wandteppiche, und sehr beeindruckend sind die verschiedenen Lüster aus Murano. Imposant sind die Grotten, nur mit Steinen, Muscheln und Meerestieren aus der Region ausgelegt. Im Gegensatz zu dieser Pracht steht die benachbarte Fischerinsel, die sich ihren Charme erhalten konnte und wo man noch durch viele romantische verwinkelte Gassen gehen kann. Zurück mit dem Boot nach Stresa. Wir hatten Zeit, der Uferpromenade entlangzubummeln oder die Stadt zu besichtigen.
Am dritten Tag war Kontrastprogramm angesagt. Auf dem Weg nach Domodossola fuhren wir vorbei an der Villa Taranto, die inmitten eines 20 ha großen exotischen Parkes liegt, angelegt von einem schottischen Edelmann. Dieser Park ist heute Eigentum des italienischen Staates. In der Nähe wird roter Granit und weißer Marmor abgebaut, mit dem auch der Mailänder Dom verkleidet ist. Der Höhepunkt dieses Tages war die Fahrt mit der Centovallibahn. Über schwindelerregende Brücken, vorbei an Weinbergen, tiefen Schluchten und kleinen Wasserfällen, durch einige kleine Tunnels, ging die Fahrt nach Locarno. Diese Stadt ist neben Lugano im Tessin das Zentrum des Fremdenverkehrs. Viele nutzten die Fahrt mit der Standseilbahn hinauf zur Wallfahrtskirche Madonna del Sasso, ein mit vielen Votivtafeln ausgestattetes Gotteshaus. Der Ausblick von hier über die Stadt und den See ist grandios.
Der letzte Tag führte uns in das wildromantische Verzascatal. Von Gordola aus ging es in steilen Kehren hinauf zum Stausee. Keiner wollte einen Bungeesprung wagen. Weiter führte uns die Straße bis Lavertezzo zur berühmten doppelbogigen Steinbrücke. Hier genossen wir das Schauspiel des glasklaren smaragdgrünen Wassers, das eigenartig geformte Steinbrocken umfließt. Es wird sogar gebadet und getaucht, wir hätten eigentlich auch Lust dazu. Ein kurzer Besuch im Laden von Katrin Rueg, der bekannten Fernsehköchin und Autorin, war natürlich ein Muss. Danach Weiterfahrt nach Sonogno. Ein Spaziergang durch das Dorf führte vorbei an den für diese Region so typischen, malerischen und mit vielen Blumen geschmückten Steinhäusern aus Granit, gedeckt mit Platten aus dem gleichen Material. Ein spärlicher Wasserfall speiste den Fluss am Talende, doch die vielen abgeschliffenen Steinbrocken zeugen von wilderen Wassermassen.
Adieu sagen wir am fünften Tag und fahren über Bellinzona durch den Gotthardtunnel am Vierwaldstätter See entlang bis Luzern. In der Kantonshauptstadt gibt es Gelegenheit zur Besichtigung des Stadtkerns und dem Wahrzeichen der Stadt, der Kapellbrücke aus dem 14. Jahrhundert. Bei einem Brand 1993 wurde sie schwer beschädigt. Zum Opfer fiel auch der reichhaltige Bilderzyklus. Zürich Schaffhausen Singen Rottenburg Tübingen Betzingen, das war die weitere Route unserer Heimreise. Dazwischen gab es die übliche Einkehr. Immer genügend Zeit hatten wir an all den Tagen, um unseren Hunger zu stillen. Nicht nur unsere Reiseleiterin Hilde Brucklacher und unser Fahrer Rolf Keppler haben ihr Bestes gegeben, um diese Reise unvergesslich zu machen; es waren auch die herrlichen Blumen, die blühenden Bäume, die Villen mit ihren prachtvollen Gärten, der immer blaue Himmel, die abwechslungsreiche Landschaft, der Lago Maggiore und nicht zuletzt die kleinen Vampire, die uns am Abend zuvor verabschiedet hatten. Und welche Gruppe kann sich denn schon rühmen, auf dem Bahnhofsplatz in Locarno und mitten im Verzascatal einem Sektempfang beigewohnt zu haben oder Süßes auf dem Abendbrottisch vorzufinden. Wir hatten eben die richtigen Leute dabei, die auf dieser Reise ihren 75., 70. und 66. Geburtstag feierten.
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