Busfahrt ins Berchtesgadener Land vom 02.07.-06.07.2003
Bericht: Rudolf Steinert
Albverein Betzingen im Berchtesgadener Land
Die 21. Wanderfahrt unter der Leitung von Hilde Brucklacher war dem Berchtesgadener Land gewidmet. Wir erreichten bei bestem Wetter und fast ohne Stau den Chiemsee, der auch das "Bayerische Meer" genannt wird. In Prien wurde Station gemacht, von dort ging es mit dem Schiff zur Insel Herrenchiemsee, danach wurde Frauenchiemsee angesteuert. Beide Inseln hatten die Meisten der 42 Teilnehmer zwar schon einmal gesehen, aber sie sind immer wieder von beeindruckender Schönheit. Schloß Herrenchiemsee, das "Versailles in den Bergen", erbaut von König Ludwig II. in den Jahren 1878 bis 1885, dürfte mit seinem Prunk und dem nach französischem Vorbild angelegten Schloßpark jedem Besucher unvergesslich bleiben. Frauenchiemsee dagegen mit seiner Klosteranlage, dem Münster und den schönen Bauerngärten, strahlt Ruhe und Beschaulichkeit aus.
Nachmittags trafen wir dann Berchtesgaden ein, das als zentraler Standort für die 5-tägige Ausfahrt vorgesehen war. Berchtesgaden ist der malerische Hauptort des "Landls", in einzigartiger Terrassenlage am Sonnenhang eines Talkessels, umgeben von Watzmann, Hochkalter, Reiteralpe, Lattengebirge, Untersberg und Hohem Göll.
Am nächsten Tag stand als erster Höhepunkt der Besuch des Salzbergwerkes in Berchtesgaden auf dem Programm. Das war ein besonderes Erlebnis! Die Besucher bekommen Schutzkleidung und werden auf einer Kleinbahn 600 Meter tief in den Berg gefahren. Dann geht es auf dem Hosenboden über eine steile Holzrutsche zur nächsten Ebene hinab. Besonders imposant ist ein mit wechselnden Farben beleuchteter Salzsee, auf den die Besucher in einem Kahn ein Stück weit gezogen werden.
Die Salzgewinnung in diesem Bergwerk erfolgt in der Weise, daß Süßwasser in einen ausgesprengten Hohlraum im Salzstock geleitet wird und dann die Sole in das etwa 20 Kilometer entfernte Bad Reichenhall gepumpt wird. Dort wird der Sole das Wasser entzogen, das Salz getrocknet und verpackt. Wir kennen es als Bad Reichenhaller Salz.
Der Nachmittag war dem Königssee gewidmet. Dieser ist bis zu 120 Meter tief, fischreich und hat Trinkwasser-Qualität. Laut Schiffsführer wird es aber dafür nicht genutzt, weil die Bayern angeblich kein Wasser, sondern nur Bier trinken! Unser Aufenthalt in St. Bartholomä war leider verregnet, sodaß wir von den Schönheiten dieses Ortes nicht viel sehen konnten.
Am Abend war noch Gelegenheit zu einem Spaziergang in die Oberstadt von Berchtesgaden. Hier gibt es neben dem sehr schönen Schloß der Wittelsbacher und dem Stiftsbezirk viele Geschäfte, Restaurants, Kaffees und einen gepflegten Kurpark mit Kur- und Kongresshaus (Kuren zur Heilung von Atemwegs- und Hauterkrankungen).
Nahezu die ganze Südhälfte des Berchtesgadener Landes wurde 1978 zum "Nationalpark Berchtesgaden" erklärt, d.h. die Natur wird darin sich selbst überlassen. Im Nationalparkhaus in Berchtesgaden wurde dafür ein Informationszentrum eingerichtet.
Am folgenden Tag war als Erstes ein Besuch vom Obersalzberg und dem Kehlsteinhaus vorgesehen. An diesen geschichtsträchtigen Orten waren außer uns Deutschen von Ost und West auch auffallend viele Ausländer aller Nationalitäten anzutreffen. Bewundernswert sind auch heute noch die einmaligen Leistungen, die hier im Straßenbau und am Kehlsteinhaus (1834m) innerhalb kürzester Zeit vollbracht wurden.
Die folgende Fahrt über die Roßfeld-Panoramastraße war beeindruckend, aber leider vom Regenwetter etwas beeinträchtigt. Dafür war die anschließende Besichtigung der ältesten Marmor-Kugelmühle Deutschlands in Marktschellenberg an der Almbachklamm besonders für die geologisch interessierten Reiseteilnehmer wieder ein echter Höhepunkt.
Hier werden Marmorstücke vom Untersberger Marmor mit seinen wunderbaren Maserungen in allen Farben von Hand zu einer Vieleckform behauen und dann in wasserkraftbetriebenen Kugelmühlen zu Kugeln geformt. Danach, wiederum von Hand, werden die Kugeln poliert. Da fällt dem Steinliebhaber die Wahl schwer, welche Stücke er mit nach Hause nehmen soll.
Damit war das Tagesprogramm aber noch nicht zu Ende, ein spezielles Schmankerl kam noch, nämlich die Besichtigung der Enzianbrennerei Grassl im Außenbezirk von Berchtesgaden. Die Kostproben bei der Besichtigung waren so wohlschmeckend, daß manche Flasche Schnaps oder Likör den Besitzer wechselte. Sogar Schokoladenkugeln die mit Enzian gefüllt waren gab es hier zu kaufen.
Am Abend wurde nochmals das sehr hügelige Berchtesgaden erkundet. Hier vereinigt sich übrigens die Königsseer Aache mit der Ramsauer Aache zur Berchtesgadener Aache. Vom Panoramaweg mit seinen vielen Bänken, der für die Kurgäste angelegt worden ist, hat man eine sehr schöne Aussicht auf die Unterstadt und die Berge.
Für den vierten Reisetag war Salzburg angesagt. Die sehr informative Stadtführung vermittelte uns einen Überblick über Geschichte und Entwicklung dieser Stadt im Laufe der Jahrhunderte. So hat zum Beispiel Salzburg Wasser über eine Leitung von der Königsseer Aache bekommen. Mit diesem Wasser wurden früher Freitag nachmittags die Gassen durchgespült und vom Unrat befreit. Die Vorbereitungen für die Salzburger Festspiele Mitte Juli sind schon in vollem Gange. Diese traditionsreichen Festspiele, (z.B. Jedermann-Aufführungen) an denen schon viele berühmte Schauspieler mitgewirkt haben, sind jedes Jahr lange im Voraus ausverkauft.
Den Nachmittag nutzten viele Reiseteilnehmer zu einem Besuch auf der Feste Hohensalzburg. Von dieser riesigen Burganlage hat man einen sehr schönen Überblick über die Stadt und die Umgegend. In der Talstation der Standseilbahn befindet sich eine interessante Ausstellung über sämtliche Marmorvorkommen der Region. Dieser Marmor wurde für viele Bauten aber auch als Straßenpflaster in der ganzen Region verwendet.
Auf der Heimreise hatten wir noch einen Aufenthalt in Bad Tölz (berühmt durch die Heilkraft seiner Jodquellen und Moorbäder) Auf der charaktervollen Marktstraße war gerade ein Straßenfest mit den Partnerstädten Vichy/Frankreich und San Giuliano Terme/Italien im Gange, sodaß wir Blasmusik, Fahnenschwenker, und außer bayerischen Weißwürsten auch französische und italienische Spezialitäten verkosten konnten.
Den Abschluß dieser Wanderfahrt bildete die Einkehr im Hotel Kreuz in Gammertingen. Auf der anschließenden Heimfahrt ließ Ludwig Beck die einzelnen Höhepunkte dieser Fahrt nocheinmal Revue passieren und dankte im Namen aller Teilnehmer der Reiseleiterin Hilde Brucklacher für all' die Arbeiten, die sie mit der wiederum sehr schönen Ausfahrt gehabt hatte und dem "Chauffeur" für seine ruhige und umsichtige Fahrweise.
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