Wandern auf Teneriffa vom 30.05.-06.06.2002

Bericht: Egon Faber

Wandern auf Teneriffa, der größten Insel des Kanarischen Archipels (2057 Quadratkilometer), war das Motto der 46köpfigen Wandergruppe des Albvereins Betzingen unter der bewährten Leitung von Manfred Schucker, Organisator für mehrtägiges Wandern im In-und Ausland. Nach 4 ½ stündigem, angenehmen Flug landete man auf dem Flughafen "Sur Reina Sofia" bei El Medano im Süden Teneriffas. Mit dem Bus ging es auf der Autobahn nach Puerto de la Cruz ins Hotel Melia, wo man für acht Tage das Standquartier hatte. Nach dem Beziehen der Zimmer konnten alle den Nachmittag frei gestalten und somit einen Stadtbummel unternehmen. Puerto de la Cruz liegt im Norden Teneriffas am Ausgang des berühmten Orotavatales und hat ca. 42000 Einwohner. Das ehemalige kleine Fischerdörfchen entwickelte sich seit den fünfziger Jahren des 20. Jh. zu einem mondänen Zentrum, das aber bereits seit mehr als 100 Jahren Urlauber durch die unübersehbaren Vorzüge seiner Lage anlockte. Zu allen Jahreszeiten herrscht mildes und ausgeglichenes Klima. Gegründet wurde Puerto de la Cruz Anfangs des 17.Jh. Am Abend stellte Organisator Manfred Schucker den Wanderführer Helmut Frühauf vor, der seit etwa zehn Jahren auf Teneriffa lebt und ein Kenner der Wanderwege, Pflanzen und der Geologie der Kanareninseln ist. Er gab dabei der Gruppe das Wanderprogramm der nächsten sechs Tage bekannt, das von den Teilnehmern begeistert aufgenommen wurde.

Die Wandertage begannen mit einer Fahrt über La Laguna, der früheren Inselhauptstadt mit ca. 130000 Einwohnern. La Laguna liegt inmitten der fruchtbaren Hochebene, die im Westen von der beginnenden Cumbre Dorsal mit dem Esperanzawald und im Osten von den Ausläufern des Anagagebirges begrenzt wird. Die "edle und treue" Stadt wirkt etwas verschlossen, vor allem dann, wenn die Nebel aus dem Anagagebirge ihre dunklen Wolken über die Stadt schieben. Die ehemalige Hauptstadt war zwischen 1510 und 1822 das geistige und politische Zentrum Teneriffas und Sitz der Universität sowie des Bischofs. Weiter fuhr man in den Mercedeswald zum Ausgangspunkt am Cruz del Carmen (900 m NN). Hier stieg die erste Gruppe, die eine größere Tour mit Wanderführer Jens Lippmann, der auch schon seit drei Jahren auf der Insel lebt, aus. Die zweite Gruppe unter Führung von Helmut Frühauf, fuhr zu ihrem Ausgangspunkt noch ein Stück weiter. Mit Wanderführer Helmut stieg man von ca. 900 Meter ab durch den Lorbeerwald. Es war eine ausgesprochene botanische Wanderung. Hier machte der Wanderführer auf die verschiedenen Pflanzen der Insel aufmerksam und gab auch einige Erläuterungen dazu. So z.B. gab es zu sehen: Erikabäume, die acht bis zehn Meter hoch werden, Kirschlorbeerbäume, Natternkopf, kanarischen Zitronenstrauch, Johanniskraut u.v.m.. Die Flora auf den kanarischen Inseln ist in zweierlei Hinsicht einzigartig. Einerseits kommen in einem relativ begrenzten Gebiet Pflanzen vor, die fast allen Vegetationszonen der Erde angehören, anderseits ist der hohe Prozentsatz endemischer Arten auffallend. Insgesamt umfaßt die Kanarische Flora fast 2000 Arten, von denen gut 30 Prozent endemisch sind. Weiter ging es durch den Lorbeerwald zu dem beliebten Ausflugsziel, das Höhlendorf Chinamada (614 m NN). Die wenigen Häuschen sind weit über die hügelige Landschaft verteilt. Erst beim genauen Hinsehen erkennt man, dass die Häuser direkt aus dem Fels herausgehauen wurden. Manche dieser Höhlen sind bis zu 20 Quadratmeter groß. Nach kurzem Aufenthalt an dem Aussichtspunkt "Mirador Aguameide" mit Blick auf Punta de Hidalgo ging es auf einem Teersträßchen zum Bus, den man nach zwölf Kilometer Wegstrecke erreichte.

Am zweiten Tag stand eine Vulkantour auf dem Programm. Die Anfahrt war an der Nordküste entlang überDer Drachenbaum in Icod de los Vinos Icod de Los Vinos, mit seinem ältesten und schönsten Drachenbaum der kanarischen Inseln, er gehört zu der Gattung der Liliengewächse und ist ein naher Verwandter der Yukka-Arten. Weiter zum Aussichtspunkt Mirador de Garachico (550 m), von wo man einen herrlichen Blick auf den Ort Garachico und auf das blaue Meer hatte. Am Ausgangspunkt der Wanderung angekommen ging es zunächst bei herrlichem Sonnenschein durch ein Naturschutzgebiet, El Chinyero, und weiter leicht ansteigend durch einen Kiefernwald. Auch hier gab Wanderführer Helmut immer wieder Erläuterungen über die Flora. Nach einer kurzen Pause führte der Weg über Lavaaschefelder mit Blick auf den Berg Chinyero (1560 m), der 1909 zuletzt ausgebrochen war und einen 7 - 8 Kilometer langen Lavastrom hinterließ. Weiter ging es durch Lavagestein nach Arenas Negras, wo der Bus die Wanderer nach zwölf Kilometer wieder aufnahm und zurück ins Hotel brachte.

Entlang der Nordküste fuhr man am dritten Tag über Buena Vista del Norte ins Tal von El Palmar und hinauf auf die Paßhöhe (800 m) im Tenogebirge. Von hier hatte man wieder einen herrlichen Ausblick bis hin zur Insel La Gomera. Nun wanderte eine Gruppe mit Helmut über einen Kamm und einen Bergpfad, bewachsen mit Agaven, Feigenkakteen und Dattelpalmen hinunter nach Masca von wo man mit dem Bus nach Los Gigantes fuhr. Von dort ging es mit dem Schiff weiter an den Strand von Masca, wo die zweite Gruppe erwartet wurde, die von dem meist besuchten Bergdorf Masca aus durch die eindruckvollste und interessanteste Schlucht zum Meer hinunter stiegen. Palmen, verschiedenfarbige Bougainvilleen und Feigenkakteen bilden heute noch einen bunten Bewuchs, den man beim Abstieg durch die berühmte Mascaschlucht durchquert. Es war eine abenteuerliche Wanderung auf steinigen Wegen, teilweise weglose Stellen und Geröllpassagen, doch alle Wanderer kamen sicher am Strand an, wo noch einige ein erfrischendes Bad im Meer nahmen. Alle wieder vereint auf dem Schiff gab es zur Stärkung ein Essen, ein typisches spanisches Gericht. Nun fuhr man ein Stück auf den Atlantik hinaus um den Delphinen zu zusehen, ehe man wieder den Hafen von Los Gigantes ansteuerte. Mit kurzem Halt in Icod de los Vinos, wo man den ältesten Drachenbaum, der ca. 15 Meter hoch ist und einen Durchmesser von 20 Metern hat, anschaute und fotografierte, fuhr man zurück ins Hotel.

Am vierten Tag ging die Fahrt über La Laguna in den Ostteil des Anagagebirges in den Naturschutzpark. Die Wanderung führte durch Lorbeerwälder zum Aussichtspunkt Cabezo del Tejo (700 m), wo auch eine Pause eingelegt wurde. Weiter über einen Kammweg kam die Wandergruppe auf den Chinobre (910 m). Nach genossener Aussicht ging es wieder zurück auf einem Waldpfad zum Bus der sie nach Benijo brachte, wo man auf die andere Gruppe wartete. Die machte eine etwas Der östlichste Leuchtturm der Inselschwierigere Tour zum östlichsten Leuchtturm der Insel, er steht auf dem Roque de Bermejo etwa 250 Meter hoch über der Bucht. In den durch zahllose Felsen gegliederten Hängen kann man im Frühjahr den seltenen und nur an der Nordseite des Anagagebirges vorkommenden Einfachen Natternkopf sehen, der zwei Meter groß wird und weiß blüht. Auf einem aussichtsreichen Höhenweg und einen Küstensteilhang erreichte auch die andere Gruppe Benijo. Von hier fuhr man über Taganana - San Andres zum Teil an der Küste entlang nach Puerto de la Cruz ins Quartier. Nach dem Essen saß man noch eine Zeitlang in geselliger Runde beisammen.

Einen Höhepunkt gab es am fünften Wandertag. Man fuhr mit dem Bus durchs Orotavatal - Tacoronte - La Esperanza hinauf in den Teide Nationalpark. Etwa zwei Kilometer hinter La Esperanza befindet sich die Gedenkstätte "Las Raices", wo General Franco die Garnison der Insel Teneriffa zur Vorbereitung des Militärputsches auf dem spanischen Festland versammelte. Unterhalb des Observatorio Astronomico del Teide wurde eine Fotopause eingelegt. Das 1985 eröffnete Observatorium ist ein europäisches Gemeinschaftsprojekt zur Erforschung der Sonne, an dem auch Deutschland beteiligt ist. Von hier hatte die Wandergruppe einen herrlichen Ausblick auf den Pico del Teide, mit seinen 3718 Metern der höchste Berg Spaniens, und insPico del Teide mit 3718 Metern Orotavatal, sowie nach Gran Canaria und La Palma. Weiter ging die Fahrt durch den Nationalpark, der auf der Höhe von 1940 Metern anfängt, zum Ausgangspunkt auf 2150 Meter NN. Die etwas anstrengendere Tour führte einen Teil der Wanderer über den Sattel des Ucanca-Passes über einen Höhenweg hinauf zum Gipfel des Guajara (2715 m). Hier oben konnten sie bei herrlichem Sonnenschein und strahlend blauem Himmel die Aussicht über die umliegenden Berge genießen. Die zweite Gruppe, mit einer etwas leichteren Tour, gelangte vom Parkplatz aus zum Aussichtspunkt Mirador de la Ruleta. Ein Pfad führte an Absperrungen entlang, die die Nationalparkverwaltung zum Schutz der Vegetation errichtet hat, auf sandigen Wegpassagen direkt auf den "Finger Gottes", den Roque Cinchado zu. Seine überhängende Haltung und die Tatsache, dass er an der Basis schmaler ist als an der Spitze, machen ihn so markant. Nach kurzer Zeit kam man zu einem Aussichtspunkt wo man die gesamte wüstenartige Ucanca-Ebene überblicken konnte. Immer wieder fallen die Blicke der Wanderer auf den mächtig aufragenden Teide (3718 m). Über einen Steilabbruch hinter den Felsen ging es ca. hundert Höhenmeter hinunter in die Ebene von Ucanca zum nächsten Vulkangebilde, die Catedral. Deutlich sind die Türmchen der dicht gebündelten Basaltsäulen sichtbar. Hier oben auf dieser Höhe gibt es 45 Pflanzenarten, von denen viele sehr selten sind. Die bekannteste davon ist der nur in der Caldera de las Canadas vorkommende Teide-Natternkopf, dessen rote kerzenartige Blütenstauden leuchtende Farbakzente setzen. Auf einem Schotterweg ging es zurück zum Bus. Im Besucherzentrum konnte man sich über die Lebensräume und die geologischen Besonderheiten der Canadas (Kratertal) informieren. Auf der Rückfahrt ins Hotel wurde noch in La Orotava der Lavasandteppich (ca. 20 x 40 Meter groß) auf dem Rathausplatz angeschaut, der anläßlich des Fronleichnamfestes gemacht wurde.

Am sechsten und letzten Wandertag wurde die Nachbarinsel La Gomera besucht. Mit dem Bus fuhr man Richtung Süden nach Los Christianos, von wo man mit der Fähre "Fred. Olsen Express" in 45 Minuten nach La Gomera übersetzte. Vom Hafen San Sebastian ging die Fahrt hoch in den Nationalpark. Am Parkplatz Alto del Contadero auf 1350 Meter war der Ausgangspunkt der Wanderung. Von hier führte der Weg stetig durch den schattenspendenden Baumheide-und Lorbeerwald und häufig über Trittstufen bis man nach ca. zwanzig Minuten zum Cedro-Bach kam. Auch konnte Wanderführer Helmut Frühauf den aufmerksamen Zuhörern wieder einiges über die heimische Flora erläutern. Es folgte nun ein wunderschöner Wegabschnitt am Ufer des Cedro-Baches, durch den vielleicht schönsten Teil des Nebelurwaldes und bald sah man schon die ersten Häuser des Weilers El Cedro (850 m), wo man in der urigen "Casa Prudencio" Einkehr hielt. Anschließend ging die eine Gruppe durch einen ca. 500 Meter langen stillgelegten Wasserstollen, der das Cedro-Tal mit dem Rejo-Tal verbindet. An der Straße angekommen wartete bereits der Bus zur Weiterfahrt um die andere Gruppe abzuholen, die das Cedro-Tal durchwanderten. In San Sebastian angekommen hatte man bis zur Abfahrt der Fähre reichlich Zeit einen Stadtbummel zu machen. San Sebastian, die etwa 5000 Einwohner zählende Hauptstadt ( ca. 30 % der rund 16000 Inselbewohner) ist der geschichtsträchtigste Ort Gomeras - sogar Kolumbus, der große Amerika-Entdecker, machte hier während seiner Überfahrt halt. Nach der Rückfahrt mit der Fähre nach Teneriffa kam man spät abends im Hotel an. Tags darauf hieß es Abschied nehmen von Teneriffa und nach einem ruhigen Flug landete die Wandergruppe wieder sicher in Stuttgart. Hier nochmals einen besonderen Dank für die großartige Organisation an die Familien Schucker und Schmid.


© Albverein Betzingen 08.01.2012