Im Jahre 1888 wurde in Plochingen der Schwäbische Albverein gegründet. Seinem Hauptvorstand gehörte auch der Betzinger Fabrikant und Kommerzienrat Karl Schickhardt an. Nachdem im Mai 1890 die Bildung von Ortsgruppen im Hauptverein beschlossen worden war, gründete Karl Schickhardt noch im gleichen Monat die Ortsgruppe Betzingen. Unter seiner Leitung blühte die OG rasch auf und zählte 1907 schon 57 Mitglieder, eine für damalige Zeit recht beträchtliche Zahl. Leider verstarb Karl Schickhardt 1907 im Alter von erst 59 Jahren.
Sein Nachfolger war sein Sohn Karl Schickhardt. Er bildete zur Mitarbeit und Mithilfe einen Ausschuss. Mit verstärktem Eifer wurde die Arbeit fortgeführt und eifrig gewandert. Für die Ankündigung einer Wanderung, zog man morgens an der Villa Schickhardt die grün-weiße Fahne des Albvereins auf. So ist es kein Wunder, dass bis zum Jahr 1913 die Mitgliederzahl auf 143 anstieg.
Die Arbeit wurde jäh unterbrochen durch den ersten Weltkrieg. Viele Freunde mussten einrücken und bei Kriegsende hatte die OG 12 Gefallene zu beklagen. Während der Kriegszeit führte Paul Auch die Vereinsarbeit im möglichen Rahmen weiter. Nun folgten die Nachkriegs- und Inflationsjahre. Bei einer Tageswanderung im Jahr 1922 marschierte man um 3.00 Uhr morgens nach Tübingen, dann Fahrt mit der Bahn nach Dotternhausen, Wanderung Plettenberg - Schafberg - Lochen - Laufen/Eyach. 1923 folgten die mageren und schlechten Zeiten, trotzdem dass alle Millionäre und Milliardäre waren. Kaum hatten sich die Verhältnisse etwas gebessert, so steckte man die Ziele wieder weiter und unternahm 1924 eine ½ tägige Wanderung nach Fridingen - Beuron - Bronnen - Hausen. 1925 beteiligte sich die OG bei der ersten Gefallenenfeier auf der Hohen Warte.
Nach dem Tod von Karl Schickhardt, übernahm 1925 Paul Auch die OG. Er führte seine Aufgabe in bewährter Weise weiter, und die Mitgliederzahl war inzwischen auf 150 angestiegen. 1930 wurde die Ortsgruppe von Otto Willmer übernommen. 1931 fuhr erstmals eine Wandergruppe mit einem Lastauto ins Bittelschießertal und Beuron. 1932 gründete Eugen Mader eine Jugendgruppe. Erstmals wurde auch zu dieser Zeit mit zwei Omnibussen zur Hornisgrinde und Schwarzenbachtalsperre gefahren. Am 10. Februar 1935 ist zum ersten Mal die Aufführung von Reigen durch die Jugendgruppe erwähnt.
Im Jahr 1937 übernahm Alfred Bosch die Führung der Ortsgruppe. Ihm zur Seite stand Bruno Kemmler, ein damals besonders rühriger Jugendleiter. Nicht nur Wanderungen in der engeren Heimat standen damals auf dem Programm, sondern auch Theaterbesuche und Wanderfahrten in den Südschwarzwald.
Die aktive Tätigkeit in der Ortsgruppe wurde durch den 2. Weltkrieg unterbrochen. Man beschränkte sich hauptsächlich auf die Betreuung der Mitglieder, die an der Front standen. Die Hauptarbeit lag damals in den Händen von Oskar Braun und seiner Frau. Nach dem Krieg bemühte sich Otto Willmer um die Neugründung der OG, die dann im Februar 1947 stattfand. Alle ehemaligen Mitglieder traten wieder bei, die Leitung übernahm Oskar Braun. Am 26. Mai 1947 fand die erste Wanderung auf den Roßberg statt. Dabei wurden Suppenwürfel mitgenommen, damit man sich wenigstens eine Suppe kochen konnte. Dann ging es weiter über die Nebelhöhle nach Pfullingen. Wegen großen Andrangs in der Straßenbahn musste auch die Strecke nach Betzingen noch zu Fuß zurückgelegt werden. Die Mitgliederzahl betrug inzwischen 276 Personen.
Nachdem ab 1950 Alfred Bosch die OG wieder übernommen hatte, wurden die Wanderziele weiter gesteckt. Ab 1952 erweiterte man die Vereinsarbeit durch Vorträge über Fragen der Geschichte und Kunst, Markungsumgang usw. Max Gutekunst und Peter Fink gründeten 1952 die Skizunft Betzingen, die vor allem bei den Jugendlichen großen Anklang fand. Ab 1954 wurden Vogel- und botanische Wanderungen durchgeführt und Naturschutzwarte gestellt.
Aus Anlass des 75-jährigen Bestehen der OG wurde 1965 eine Trachtenhochzeit veranstaltet, gleichzeitig die Volkstanzgruppe gegründet und die Lichtstube ins Leben gerufen mit dem Ziel, die Betzinger Tracht zu erhalten und Brauchtum zu pflegen. Diese Aktivitäten, vom damaligen Vertrauensmann Alfred Bosch angeregt, setzen sich bis zum heutigen Tag fort.
1970 errichtete man im Anwesen der Familie Fritz Leibßle eine Albvereinsstube, die zum Mittelpunkt der Ortsgruppenarbeit beitrug. Alfred Bosch gab die Führung 1971 an Max Gutekunst ab. Zwischenzeitlich erreichte die OG einen Mitgliederstand von nahezu 580 Personen. Sie bietet mit all ihren Gruppen ein breites Betätigungsfeld für jedermann.
Am 29. Juni 1986 konnte die neue Albvereinsstube im Heubarn des Museum "Im Dorf" bezogen werden. 2 Jahre später am 2. Juli 1988 wurde das Museum "Im Dorf" eingeweiht, zudem die OG zahlreiche Exponate zusammengetragen hatte. In der Festwoche hatte man die Zeit einige Jahrzehnte zurückgedreht. Verschiedene Handwerksberufe wie das Schleifen von Messern und Scheren, das Schlachten von Hühnern, das Waschen, das Backen und das Reparieren von Mostfässer wie es einmal früher gang und gebe war, konnte man hautnah miterleben.
Das 100-jährige Bestehen der OG Betzingen konnte 1990 gefeiert werden. Höhepunkt war der Bunte Abend in der Friedrich-List-Halle.
1993 gab Vertrauensmann Max Gutekunst nach 22-jähriger engagierter Tätigkeit als erster Vorstand das Amt weiter an Thomas Keck.
Beim 110-jährigen der OG wurde eine Eiche am Kirchplatz gepflanzt. Die Trachtenhochzeit am 3.09.2000 war der Höhepunkt dieses Jubiläumsjahres. Ein Festabend und die Gauversammlung ließen das Jubiläumsjahr ausklingen. Erfreulicherweise konnten wir auch noch im Jahr 2000 das 700-ste Mitglied in unserer OG begrüßen.
Seit 10. Mai 2001 ist die OG im Internet vertreten, um im Zeitalter modernster Technik Schritt zu halten.
Der Jazz-Frühschoppen am 18. August 2002 im Museumsgarten - eine Idee von Wilhelm Schmid - war ein voller Erfolg. Bei fetziger Musik, zünftiger Weißwurst und angenehmen Temperaturen, war diese neue Veranstaltungsform mit der 6 Mann-Jazz-Band "Die Gluzger" eine gute Werbung für den Albverein Betzingen.
| © Albverein Betzingen |