Wechselausstellung im Museum 2002

Porzellan und Glas waren im 19. und in der Kaffeekanne Porzellan um 1890ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beliebte Geschenke für die Feste im Jahres- und Lebenslauf. Zur Taufe, Konfirmation und Kommunion verschenkte man bemalte und verzierte Tassen, Teller, Kannen und Schalen. Das einstige "weiße Gold" des Adels war aber insbesondere bei der Verlobung, der Heirat und den Ehejubiläen wie Silberner und Goldener Hochzeit ein geschätztes Andenken. Tafelgeschirr aus feinem, zerbrechlichem Porzellan war zwar durch die industrielle Fertigung für breite Gesellschaftsschichten erschwinglich geworden, galt aber noch als Luxusartikel. Die wertvollen Geschenke wurden nicht im Alltag benutzt, sondern repräsentativ im Wohnzimmerschrank aufgestellt.

Über den materiellen Wert hinaus kam den exquisiten Teilen aus Glas und Porzellan eine hohe ideelle Bedeutung zu. Mit ihnen drückte der Schenkende seine Zuneigung und Liebe für den Beschenkten aus, gleichzeitig wurde die Erinnerung an wichtige Ereignisse im Lebenslauf dauerhaft bewahrt. Das Bürgertum kultivierte mit dieser Andenkenskultur seit dem Biedermeier Freundschaft, Liebe und Familienleben als moralische Werte.

Die Ausstellung präsentiert ausgewählte Stücke aus der umfangreichen Privatsammlung von Helga Breunig zur bürgerlichen Geschenkkultur der Kaiserzeit. Neben zahlreichen Liebesgaben aus Porzellan und Glas erinnern Verlobungskarten, Hochzeitseinladungen und Fotografien von Brautpaaren an längst vergangene Freudentage.


© Albverein Betzingen 08.01.2012